Interview mit Annegret Kramp-Karrenbauer

Worin unterscheidet sich Ihr aktuelles Amt von Ihren vorherigen Tätigkeiten?

AKK:  Vor allem, dass ich viel mehr in ganz Deutschland unterwegs bin.

Sind Sie (tendenziell) mit Angela Merkel eher einer Meinung oder unterscheiden sich Ihre Standpunkte mehr voneinander?

AKK: Wir verstehen uns gut und die Zusammenarbeit zwischen uns – auch in der neuen Rollenverteilung – läuft gut.

Unterschiedliche Meinungen hat es zwischen uns immer mal wieder gegeben. Das gehört in einer so breiten Volkspartei wie der CDU auch dazu.

Welche Themen sind Ihnen momentan am wichtigsten?

AKK: Am 26. Mai 2019 finden zehn Kommunalwahlen, die Bürgerschaftswahl in Bremen und die Europawahl statt. Bei allen Wahlen wollen wir starke Ergebnisse erkämpfen. Darauf konzentrieren wir uns aktuell mit ganzer Kraft.

Welche Ihrer wichtigsten Themen haben Sie schon umgesetzt und wie?

AKK: Mir war ganz wichtig, einen Prozess zur Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogrammes anzustoßen, das habe ich schon als Generalsekretärin begonnen und das setze ich als Vorsitzende jetzt fort. In unserem neuen Grundsatzprogramm, welches wir 2020 verabschieden wollen, wollen wir Antworten auf die großen Fragen und Herausforderungen wie Digitalisierung, Globalisierung, Umweltschutz, Mobilität der Zukunft usw. geben. Besonders wichtig war es mir zudem, dass CDU und CSU nach dem Streit im vergangenen Jahr wieder besser zusammenarbeiten. Das ist bisher gut gelungen.

Welches Thema möchten Sie als nächstes angehen?

AKK: Ich möchte zum Beispiel beim Thema Dienstpflicht bzw. Gesellschaftsjahr in den kommenden Monaten einen konkreten Vorschlag mit zwei möglichen Modellen erarbeiten, über den die Partei dann diskutieren und entscheiden kann. Wenn das dann mit dem Koalitionspartner nicht durchsetzbar sein sollte, kommt es ins Wahlprogramm. Wichtig wird zudem, dass wir angesichts der schwächeren Konjunktur neue Impulse für Wirtschaft und Wachstum setzen und das Profil der CDU als Wirtschaftspartei stärken.

Wie stehen Sie zur Homo-Ehe?

AKK: Ich schreibe niemanden vor, wie er lieben soll. Als Katholikin habe ich aber einen traditionellen Ehebegriff, der sich als Gemeinschaft von Mann und Frau definiert. Der Bundestag hat sich aber für die „Ehe für alle“ entschieden. Das akzeptiere ich und das gilt.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

AKK: Mir hilft Zeit mit Freunden, Familie und insbesondere meinem Mann. Das ist meine Kraftquelle.

Lesen Sie Kritik über sich in Zeitungen oder Social Media?

AKK: Die Meinung anderer ist mir wichtig, daher lese ich natürlich auch kritische Worte.

Sie haben an Karneval eine Büttenrede gehalten und für Ihren “Gender Witz” heftige Kritik erhalten. Wie stehen Sie allgemein zum Thema “drittes Geschlecht”?

AKK: Es war durchaus ein derber Witz, der aber auf die Beziehung zwischen Möchtegern-Machos und Frauen abzielte, und nicht auf Gender.

An dem Abend waren 1500 Menschen im Saal, auch viele Journalisten, und alle haben das vor Ort in dem Zusammenhang richtig verstanden.

Könnte Sie sich vorstellen Kanzlerin zu werden?

AKK: Wer sich das Amt der Bundeskanzlerin nicht zutraut, sollte auch die Finger vom Parteivorsitz der CDU Deutschlands lassen.

Zum Schluss einige private Fragen:

Was gefällt Ihnen an Ihrer Heimat dem Saarland am besten?

AKK: Die Saarländerinnen und Saarländer.

Vermissen Sie Ihre Heimat?

AKK: Ja, natürlich!

Wohin fahren Sie am liebsten in Urlaub?

AKK: Ich bleibe gerne in Europa.

Welche Musik hören Sie?

AKK: Kommt auf die Stimmung an. Und manchmal muss es eben Heavy Metal sein

Pressefotos von Laurence Chaperon