Julia Klöckner im Interview

Julia Klöckner - BMEL

Julia Klöckner wurde nach den Bundestagswahlen 2017 zur Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Merkel IV ernannt. Zuvor war sie die Gegenkandidatin zu Malu Dreyer (SPD), der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin.

Wir danken für das Interview.

Wie wichtig ist für Sie der Ökolandbau?

Der Ökolandbau ist ressourcenschonend und umweltverträglich. Da der Einstieg in den ökologischen Landbau für die Betriebe schwierig ist, unterstützen wir Landwirte, die umsteigen wollen. Wir haben auch die Förderung des Ökolandbaus im Haushalt noch einmal kräftig erhöht. Für mich ist aber ganz klar: Die Landwirtschaft insgesamt ist mir sehr wichtig. Da will ich jetzt gar nicht Öko gegen konventionell stellen. Unsere Landwirte versorgen uns mit guten und leckeren Lebensmitteln – das sollten wir wertschätzen!

Wie stehen Sie zu Pestiziden in der Landwirtschaft?

Pflanzenschutzmittel sind notwendig, um die Ernten zu sichern und vor Schädlingen zu schützen.  Ich weiß, Pflanzenschutzmittel sind umstritten – deshalb wollen wir sie der Menge nach reduzieren. Da hilft auch die Digitalisierung, die Präzisionslandwirtschaft. Wir brauchen Pflanzen und pflanzliche Produkte in einer bestimmten Menge und Qualität, damit sich Menschen und Tiere ernähren können, aber auch für die Energiegewinnung. Menge und Qualität werden nicht nur begrenzt durch die verfügbare Fläche, auf der diese Produkte angebaut werden. Sie werden auch durch den Befall mit Schädlingen und Krankheiten beeinflusst. Die Anwendung ist im Pflanzenschutzrecht stark reglementiert. Wir investieren in die Entwicklung nach alternativen Pflanzenschutzverfahren. Hier ist auch viel mit der digitalen und der Präzisionslandwirtschaft möglich: Sensoren im Boden und GPS-gesteuerte, zentimetergenaue Ausbringung von Pflanzenschutzmittel auf dem Feld.

Der Bauernverband schlägt eine  Kennzeichnung für Tierhaltungsbedingungen im Handel vor. Was halten Sie davon?

Ich setze mich für ein staatliches Tierwohlkennzeichen ein. Mit dem Kennzeichen machen wir ein Mehr an Tierwohl sichtbar und geben den Verbrauchern eine Orientierung, wieviel Tierwohl in den Produkten steckt.

Welche Punkte sind aus Ihrer Sicht in der Landwirtschaft noch verbesserungswürdig?

Die Gesellschaft stellt zu Recht hohe Ansprüche an die Agrar- und Ernährungswirtschaft: Land- und Ernährungswirtschaft müssen die Ressourcen schonen und artgerecht mit Tieren umgehen. Dass wir zu jeder Zeit preiswerte und qualitativ hochwertige Lebensmittel zur Verfügung haben, wird gleichzeitig als selbstverständlich vorausgesetzt – das ist es aber historisch und global betrachtet nicht. Wir sollten darauf achten, dieses hohe Gut in Zeiten zunehmender Auswirkungen des Klimawandels, internationaler Krisen und Handelsbeschränkungen nicht auf‘s Spiel zu setzen. Dort, wo wir Ansprüchen noch nicht gerecht werden, arbeiten wir in der Politik daran, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen – zum Beispiel mit dem Tierwohlkennzeichen, das ich vorhin schon angesprochen habe. Oder auch mit dem Verbot von bienenschädlichen Neonikotinoiden – ein echter Zungenbrecher, ich weiß. Das sind Pflanzenschutzmittel, die aber den Bienen schaden.

Wie stehen Sie zu einer Zuckersteuer?

Mir ist wichtig, dass sich die Bürger gesund ernähren und unsere Kinder gesund groß werden. Dabei spielt die Ernährung natürlich eine zentrale Rolle. Gleichzeitig bin ich keine Geschmacks-Nanny, die vorschreibt, was jemand essen darf und was nicht. Wichtig ist doch, dass die Konsumenten selbst wissen, was gut für sie ist. Das ist viel nachhaltiger. Das kennt man doch, dass Süßigkeiten, die verboten sind, noch viel besser schmecken. Daher möchte ich die Ernährungsbildung verbessern – gerade für Kinder. Und ich möchte auch, dass die Angaben auf Verpackungen zu Nährwerten und Portionsgrößen verständlicher sind. Konkret zu der Frage: Eine Zuckersteuer klingt so schön leicht: Zuckersteuer einführen und sofort ernähren sich alle zuckerfrei … So einfach ist es aber nicht. Dänemark ist da ein gutes Beispiel: Dort gab es eine Fettsteuer, die wieder abgeschafft worden ist, weil es nicht dazu geführt hat, dass die Leute weniger fettig essen. Eine Strafsteuer auf einzelne Nährstoffe, wie beispielsweise Zucker, bringt es nicht. Wir brauchen neben der Ernährungsbildung und klaren und wahren Verpackungsangaben eine geringere Gesamtkalorienbilanz in Fertigprodukten: Insgesamt also weniger Zucker, Fett und Salz in Fertignahrungsmitteln. Dazu bin ich gerade in Gesprächen mit der Wirtschaft und den Verbraucherverbänden.

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